Montag, 1. November 2010

Reformationstag oder: Lutheraner, wo seid ihr?

Endlich mal wieder eine Gelegenheit, so richtig auf die Spaßbremse zu treten. Das können wir Christen ja besonders gut. Schluss mit lustig!
Wozu brauchen wir Halloween überhaupt? Zum Verkleiden und Fremdgehen (ach nee, das tun wir ja nicht) haben wir den Karneval, Süßigkeiten sammeln wir beim Martinssingen und überhaupt, uns Lutheranern „gehört“ dieser Tag doch irgendwie, oder?
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich in Wahrheit durch die ganzen Halloweenfeiern in Deutschland auch nicht eine einzige Person davon abhalten lässt, den Reformationstag zu feiern.
Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, erst durch diese gefühlte Konkurrenzsituation mit einem ungeliebten, heidnischen Brauch fangen wir wieder an, uns um diesen Tag wenigstens etwas zu bemühen. Wenn auch nur etwas.
Reformationstag dauert vielerorts eine Stunde – meistens von 10 bis 11 Uhr.
In der Kirche singen wir zur Feier des Tages den Lutherklassiker „Ein feste Burg ist unser Gott“ und natürlich findet sich das Thema Reformation auch in der Predigt wieder. Glückwunsch, liebe Kirche, ihr wisst, wie man etwas zu einem Megaevent macht!
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich liebe dieses Lied von Luther und finde es auch richtig, an diesem Tag über Reformation zu predigen. Aber Luther hat 95 Thesen an eine Kirchentür gehämmert. Er hat an diesem Tag etwas völlig anderes getan, etwas, was unerhört war. Er hat sich nicht in die Bank gesetzt, die Hände in den Schoß gelegt gefaltet und fromme Lieder gesungen.
Bei mir ist an diesem Sonntag eine ältere Dame in den Bus gestiegen, die von einer christlichen Veranstaltung kam. „Wegen dem schönen Garten dort sei sie nochmal hingegangen, aber wohl das letzte Mal, denn die Leute dort seien zu hochnäsig und hielten sich für etwas Besseres.“
Und genau DAS macht mich traurig. Statt selber kreative Konzepte zu entwickeln und diese menschenfreundlich und auf Augenhöhe anzubieten, spielt sich die Kirche ausgerechnet zu diesem Anlass als Moralapostel auf! Passt euch gefälligst uns an oder bleibt weg.

Wenn das auffälligste, was die Kirche an diesem Tag zu bieten hat, ein Anti – Halloween Plakat ist, wenn mehr über die Kritik an Halloween von führenden Kirchenleuten zu hören ist, als inhaltliches zum Thema Reformation, dann gute Nacht! Dann müssen wir uns wirklich um den Reformationstag Sorgen machen – mit oder ohne Halloween.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Gottesdienst - Nur zu Besuch?

Gehst du in den Gottesdienst auch immer nur zu Besuch?

Zu diesem Blogeintrag wurde ich durch einen Text von Kerstin hack inspiriert, der in voller Länge hier zu lesen ist:

http://lesbar.down-to-earth.de/glauben-spiritualitaet/kerstin-hack-mein-kleiner-frommer-schaden-ich-bin-nicht-gottesdienst-%E2%80%93-tauglich/2006-09-14/

Wir laden Sie herzlich ein! Besuchen Sie unseren Gottesdienst!
Oft habe ich das Gefühl, dass diese gutgemeinte Einladung ehrlicher ausgedrückt lauten könnte: Hören Sie aufmerksam zu aber seien Sie leise und stören Sie nicht!

Schon an dem Begriff „Gottesdienstbesucher“ stoße ich mich. Wenn ich ein Fußballspiel besuche, schaue ich zu, wie andere Fußball spielen. Wenn ich ein Kino, ein Theater oder ein Musical besuche, schaue ich mir die Vorstellung an. Wenn ich meine Eltern besuche, kann ich meistens ein Essen genießen, welches ich selber so nicht hinbekommen würde. Besuche sind also grundsätzlich nicht schlecht, lassen aber eben die Besucher als Zuschauer – in manchen Gemeinden sagt man auch Gäste – außen vor.

„ Wenn ich mit Geschwistern Jesus feiere, möchte ich gerne auch etwas von dem hören und sehen, was die anderen zu sagen und zu geben haben.“
Dieser Satz von Kerstin Hack trifft auch auf mich voll und ganz zu.

Ich sehne mich nach einer Gottesdienstform, in der jede/r Teilnehmer/in sich einbringen kann. Wo jede/r berichten, erzählen oder vielleicht auch mal fragen darf, was ihr oder ihm auf dem Herzen liegt.

Wo die Gemeinde vielleicht auch mal gefragt wird, welche Predigtthemen ihr besonders am Herzen liegen?

Wir singen wunderschöne Lieder aus der Reihe „Feiert Jesus“, dann muss doch auch Raum dafür sein, diese Freude und Begeisterung mit anderen zu teilen! Hat das auch Platz in der Gottesdienstfeier oder wird das an den Rand geschoben?

Einer meiner Lieblingsabschnitte in dem Text von Kerstin Hack ist jedoch dieser:
„Ich wünsche mir, dass Menschen es lernen, im ganz realen Leben Jesus zu folgen, so zu leben, wie er es tat. Predigten anzuhören macht jedoch keinen Christen zum Jünger, oder nur so wenig wie man durch das Ansehen der Sportschau zum Spitzensportler wird. Wachstum in der Nachfolge geschieht eher durch Gespräch, Begleitung, Auseinandersetzung etc. als durch passives Zuhören. Beim Umsetzen werden die Gottesdienstbesucher jedoch häufig allein gelassen – und das, obwohl viele Gemeinden das Ziel haben, Menschen zur Nachfolge Jesu zu befähigen. Aber sie sind an eine Form gebunden, die denkbar ungeeignet für das Einüben der Nachfolge ist.“


Donnerstag, 18. Juni 2009

Leichtsinn oder Selbstverständlichkeit? - Aus aktuellem Anlass

Ich möchte aus aktuellem Anlass ein Posting einschieben.

Im Jemen sind 3 junge Frauen ums Leben gekommen, 1 Koreanerin und 2 Deutsche. Ermordet. Kaltblütig hingerichtet.
Heute haben im Jemen selbst Muslime aus Protest demosntriert, weil es auch für sie nicht zu akzeptieren ist, weil es ihnen einen Aufschrei wert ist, dass Menschen, denen es um humanitäre Hilfe geht hingerichtet werden.

Und bei uns? Bei uns, in einem christlichen Land lese ich, dass es an Leichtsinnigkeit kaum zu überbieten war, was diese beiden Frauen dort geleistet haben.
Am selben Tag höre ich einen Radiobericht, wonach es als selbstverständlich gilt, dass die Bundesregierung dem Einsatz deutscher Awacs Flieger über Afghanistan zustimmt.


Ich frage mich ehrlich, in was für einem Land ich lebe!

Offenbar lebe ich in einem Land, in dem es normal ist, bei einem militärischen Einsatz zu sterben, doch wer nicht aus militärischen, sondern aus humanitären Gründen in Krisengebiete reist, der gilt als dumm, naiv und leichtsinnig?

Die Menschen in Afghanistan, im Jemen und in vielen anderen Krisengebieten brauchen ganz sicher unsere Hilfe.

Doch jeder von uns sollte sich fragen, ob diese Hilfe in Form von Waffengewalt oder humanitärer Hilfe besser ist.

Seit Jahren sehen wir, wohin uns die Spirale der Gewalt bringt.

Gewalt erzeugt Gegengewalt.

Die Bibel sagt:
Überwindet das Böse durch das Gute.

Es ist unfassbar traurig, dass dabei drei Frauen (zwei davon aus Deutschland) ihr Leben lassen mussten, ja.

Doch jetzt stellen sich in einemn muslimisch geprägten Staat Menschen offen gegen solches Unrecht!

Ich denke, es wäre ein Zeichen der Stärke, ich denke, es wäre besonders angesichts dieser zwei verstorbenen deutschen Schwestern ein bemerkenswertes und gutes Zeichen auch für die islamische Welt, wenn wir Deutsche uns zu einem klaren NEIN zu sämtlichen kriegerischen Handlungen entscheiden würden.

Aber am Einsatz der Awacs Flieger gibt es (leider) keinen Zweifel.

Dass die Kriegseinsätze in Afghanistan und Co gefährlich sind, erkennt man nicht zuletzt an den Särgen, die mit Länderflaggen zurück kommen.

Wenn ich die Wahl hätte, ich hätte bei meinem Tod lieber die Bibel in der Hand als ein Gewehr.

Das musste - insbesondere in Betracht der Berichterstattung der Medien - hier einfach mal gesagt werden.

Sonntag, 14. Juni 2009

Nicht in Reih' und Glied marschieren

Ich trage im Expowal oft einen Button, den ich von der Organisation „Pro Christ“ habe.
Je nach Blickwinkel kann man auf diesem Button entweder Zweifeln oder Staunen lesen – oder eben irgendwas dazwischen wie Zwaunen.
Ja, zu meinem Glauben gehören auch Zweifel, daraus mache ich keinen Hehl. Ich habe nicht auf jede Glaubensfrage eine Antwort und das kann mich sogar ziemlich ärgern, denn ich bin leider auch noch ziemlich ungeduldig.
Aber dann erinnere ich mich: Es liegt nur an mir. Ich kann einfach die Blickrichtung ändern, und schon wird aus meinen Zweifeln mein Staunen!
Ich möchte an dieser Stelle jeden Leser einladen: Lernen Sie, zu staunen. Ich persönlich kann ganz besonders im Expowal über Gott staunen! Das alles hat GOTT geschaffen, das unglaubliche Gebäude, das leckere Essen, die tollen Predigten, die wunderbare Musik, die thematischen Anspiele, sogar die Fitness vor dem Gottesdienst und das Licht, dass das gesamte Gebäude von allen Seiten durchflutet – all das und vieles mehr lässt mich staunen!

Ich war dabei, das Lied von Reinhard Mey aus GOTTES Sicht zu betrachten.
Unsere Zweifel, sie werden irgendwann weg sein, sie bleiben uns nicht bis zum Schluss.

GOTT ist schon mit dem Volk Israel geflohen, und egal, wie untreu sie IHM wurden, egal, wie weit sie sich auch von IHM entfernten, er ließ SIE nie allein. ER ließ nie zu, dass die Zweifel siegten, sondern das Staunen!
Es hat absolut nichts mit theologischer Lehre zu tun, aber ich bin ja auch kein Theologe und kann das daher vielleicht ganz frei hier so sagen:
Ich finde, der Liedtext hier passt ziemlich gut. Müssen denn alle Christen im „Gleichschritt“ laufen?
Ist es tatsächlich so schlimm, dass manche Christen charismatische Gottesdienste bevorzugen und andere die liturgische Tradition bevorzugen?
Ich bin in einem Spielmannszug und weiß daher, dass vor dem Überqueren von Brücken das Kommando gegeben wird: „Ohne Tritt Marsch!“ Das bedeutet nichts anderes als die Aufhebung des Gleichschrittbefehls. Warum? Wenn sehr viele Leute im Gleichschritt über eine Brücke marschieren, kann sie in so starke Schwingungen geraten, dass die Brücke einstürzt.
*Ohne Tritt Marsch“ – Das hebt nicht die Richtung auf, alle sind auf dem Weg zu einem Ziel, doch man muss nicht blind ohne nachzudenken das tun, was alle anderen auch tun.
„Die Kinder schützen vor allen Gefahren ist doch meine verdammte Vaterpflicht“…..
Ich bin kein Vater, aber ich habe zwei „Patenkinder“

Was ich mit diesem Lied in christlichem Kontext hiermit verbinde, das lest ihr im nächsten Beitrag

Sonntag, 7. Juni 2009

Nein meine Söhne geb ich nicht

Heute geht es weiter mit meiner Blog - Reihe über Lieder von meinem Lieblingsliedermacher Reinhard Mey und da heute ja auch Europawahl ist, dachte ich, dass dieser Song mal ganz passend sein könnte:


Ich liebe dieses Lied und finde die Kritik an Politikern, egal welcher Nation, die ihr Jawort zu Militäreinsätzen und kriegerischen Handlungen, egal aus welchen Motiven geben völlig berechtigt.
Ich glaube, man kann auf die Sinnlosigkeit von Gewaltanwendung gar nicht oft genug hinweisen. Dieses Video veranschaulicht das meiner Meinung nach wunderbar, weil die Bilder die Textaussagen wunderbar unterstreichen.

Doch heute ist nicht nur Europawahl, heute ist noch ein weiterer wichtiger Termin, auch wenn darüber vermutlich in den Nachrichten maL wieder nicht berichtet wird: heute ist der Sonntag Trinitatis, an dem wir Christen die Dreieinigkeit Gottes feiern.
Im Wochenspruch heisst es passend zu diesem Festtag:
Heilig, Heilig, Heilig ist der HERR Zebaot, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Dreieiniger Gott, dreimal also das Wort Heilig. Ja, Gott ist heilig, das unterscheidet ihn von uns Menschen. Wir Menschen sind nicht absolut rein, nicht frei von Schuld. Diese Reinheit, diese Heiligkeit können wir nur erlangen, indem wir unsere Schuld JESUS anvertrauen.

Da wir noch nicht diese endgültige Heiligkeit haben, verstehen wir GOTT eben manchmal auch nicht. Weil wir eben (noch) anders sind als er, zumindest in einigen Punkten.
Nachfolge bedeutet, auf dem Weg zu sein, sich IHM anzunähern, von Tag zu Tag dem Ziel näher zu kommen.
Ich möchte dieses Lied von Reinhad Mey daher noch einmal betrachten, diesmal aber aus einer anderen Perspektive:
Wir Christen sind Kinder Gottes.
Was wäre wohl, wenn ER dieses Lied singen würde?
Einige Stichpunkte:

"Ich liebe meine Kinder" heisst es sinngemäß ganz zu Beginn des Liedes - "mehr als mein Leben, als mein Augenlicht..."
In Johannes 3 Vers 16 wird von GOTT gesagt:
Denn GOTT hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einhzigen Sohn hingab, damit jeder, der an IHN glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.

Was für eine Liebe. Und vor allem: Versprechen kann man ja eine Menge (welch Parallele zu den Politikern :-)
Aber GOTT steht zu seinem Wort. JESUS hat eben die Folter nicht unterbrochen. Er ist weder vom Kreuz gestiegen noch hat er vorher seiner Folterung ein Ende bereitet. ER stand zu seinem Wort, SEINE Liebe war und ist absolut zuverlässig und treu.

Und als würde Reinhard Mey die Bibel sehr gut kennen (ich kenne ihn nicht gut genug, um das beurteilen zu können), ist fast in einem Atemzug erst von der Liebe und dann auch von den Auswirkungebn der Liebe die Rede:
Und die, die werden keine Waffen tragen, nein, meine Söhne geb ich nicht.
Ich glaube, eine der schlimmsten Waffen, die wir haben, sind unsere Worte. Allen, die uns aufhetzen wollen, könnte GOTT zum Beispiel diese Zeile singen aber auch uns selbst, uns nicht aufhetzen zu lassen.
Wenn andere mal wieder die Todesstrafe für besonders schwere Verbrechen fordern, gibt er uns für diese Art der Kriegsführung nicht her.
Wenn im Kollegenkreis oder in einer Schule oder einer Gruppe immer wieder ein und dieselbe Person gemobbt wird, wenn irgendwo über irgendwen hergezogen wird, sagt GOTT: Nein, dazu sind mir MEINE Kinder zu schade, dafür gebe ich die nicht her.
Auch Arroganz und Eitelkeit können Waffen sein, sogar in falsch verstandenem christlichem Kontext:
"Wie viel besser bin ich doch, ich habe die Bibel nicht nur mehrfach durchgelesen, ich kenne ganze Abschnitte auswendig und alle in der Gemeinde loben mich. Da solltest DU dir mal ein Beispiel dran nehmen"
Das könnte so ein Fall von bewaffneter Arroganz sein.
Nein, dafür gibt uns GOTT nicht her, er möchte dass wir anderen Menschen einladend begegnen, so wie es JESUS auch immer tat.

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben, vor jeder Kreatur als höchsten Wert, ich habe sie erbarmen und vergeben und wo immer es geht, lieben gelehrt."
Diese Stelle finde ich von vorne bis hinten zutiefst christlich, allerdings ist JESUS da weniger bescheiden. JESUS möchte nicht, dass wir "wann immer es geht" lieben, sondern IMMEER und vor allem JEDEN. Das ist eine echte Herausforderung, zumindest für mich, aber JESUS gibt uns dafür den HEILIGEN GEIST zur Seite. Das ist eine ganz große Hilfe, ein Wegweiser auf unserem Weg der Nachfolge, auf dem Weg immer näher zum Ziel.

Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht. Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter, nicht für euch hab ich manche Fiebernacht....
GOTT, unser Schöpfer. Hinter dem "Nicht für euch" von Reinhard Mey könnten aus GOTTES Sicht sicher viele Adressaten stehen.
Wofür geben wir uns hin? Steht GOTT in unserem Leben an erster Stelle? Ordnen wir IHM alles unter? Wieviel Zeit verbringen wir mit ihm, für ihn, um SEINEN Menschen zu dienen? Eine Stunde pro Woche im Gottesdienst oder mehr? Oder weniger?
Ist uns unser Auto, unser Haus, unser Urlaub, unser Hobby oder was auch immer wichtiger, als SEINE anderen Kinder, die vielleicht unsere Unterstützung in Form von Zeit und Geld dringend benötigen würden? Nein, sagt GOTT, dafür gebe ich meine Söhne nicht, da braucht ihr mich gar nicht erst fragen.


...nicht für euch hab ich manche Fiebernacht, verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden und kühlt' ein kleines, glühendes Gesicht"

Hier ist vonm Schutz die Rede, von Geborgenheit, aber eben auch von Aufopferung und Sorge. Sorgen bereiten wir GOTT sicher z.B. dann, wenn wir uns eben doch denen hingeben, von denen es hier aus Vatersicht heisst: Meine Söhne geb ich nicht.

Ich weiß nicht, ob GOTT genauso wie Reinhard Mey dann verzweifelt. Denn GOTT ist heilig, er ist eben nicht menschlich. GOTT weiß sicher einen Ausweg, in Psalm 91 heißt es:

"Wer unter dem Schutz des Höchsten wohnt,
der kann bei ihm, dem Allmächtigen, Ruhe finden.
Auch ich sage zu Gott, dem Herrn:
Bei dir finde ich Zuflucht, du schützt mich wie eine Burg!
Mein Gott, dir vertraue ich!"

Aber GOTT möchte uns eben durch JESUS CHRISTUS von unseren Sünden, von unseren Fehlern und auch von unseren Verletzungen freimachen und uns durch seinen HEILIGEN GEIST wieder zurück auf den WEG zum Ziel führen.
Der Titel dieses Blogs lautet: "Warum ich gerne Schaf bin" und ich bin es deshalb gerne, weil kein geringerer als GOTT mein Hirte ist.
Ich komme mir auf meinem Lebensweg oft völlig überfordert vor, wie ein Schaf, das sich verlaufen hat und nicht mehr ein noch aus weiß. Aber ich habe IHN als Hirten, der mich führt, der mich beschützt und für mich kämpft, wenn "wilde Tiere" über mich herfallen. Er ist sich nicht einmal zu schade, für mich unmenschliche Schmerzen zu erleiden und zu sterben. Darum bin ich gerne Schaf

Ich möchte den Text nicht zu lang werden lassen und finde, das ist für heute ein schönes Schlusswort. In den nächsten Tagen werde ich auf den zweiten Teil des Liedes sicher noch einmal eingehen.
Euer "Schaf" Sven

Dienstag, 19. Mai 2009

Es wird Zeit...

Heute mal kein youtube Video, heute mal nichts über reinhard Mey, obwohl die Reihe fortgesetzt werden soll.
Ein Lied eines anderen Interpreten - ein Lied von Andi Weiss - hat mich gerade tief bewegt, es sprang mich geradezu an und berührte mich so tief, dass mir fasst Tränen in den Augen standen:



Es gibt die Dinge, zu denen du gern stehst, es gibt die Tage, durch die du gerne gehst.
Stille Momente, die Ahnung voller Glück,
doch dann gibt es auch die Zeiten, da gibt es kein Zurück.

Was ist schon Können? - Das was man an dir mag!
Du hörst all das Lob - es prallt nur an dir ab.
Würdest gern, so gerne teilen, was andre in dir sehn,
es wird Zeit, für dich zu dir zu stehn!


Langsam leben lernen, und nicht unterghehn,
mal eben bildlich werden und sich in die Augen sehn.
Niemand kann dich vor dir schützen,
selbst wenn fremde Fahnen wehn,
können Spiegelbilder nützen -
Es wird Zeit, für dich zu dir zu stehn.

Im Spiegel siehst du, was man so sieht.
So wie du bist, SO bist du geliebt!!!
Kein Mensch kann wachsen, wenn er Schlechtes nur versteckt,
also halte dir die Treue und halt dich nicht bedeckt!

Schau auf die Siege, und schau auf den Verlust,
Zeig deine Freude, und steh zu deinem Frust.
Sei dir nicht zu gut - nicht alles muss sich um dich drehn,
doch es wird Zeit, für dioch zu dir zu stehn.


Diesen Liedtext möchte ich zunächst unkommentiert lassen.

Sonntag, 17. Mai 2009

Ich glaube (nicht) - oder die christliche Siedlung

In der Biografie „Was ich noch zu sagen hätte" von Bernd Schroeder sagt Reinhard Mey über seine Familie: „Wir waren evangelisch getauft, später bin ich aus der Kirche ausgetreten. Meine Eltern waren nicht praktizierend, und sie frömmelten nicht. Das war damals so, man war einfach in der Kirche. Aber es spielte keine Rolle.“
Ich denke, das geht heute auch noch sehr vielen so.
Weiter sagt Reinhard Mey im Interview mit dem Biografen Bernd Schroeder: „Wenn ich versuche, menschlich zu sein, wenn ich versuche, brüderlich zu sein, wenn ich versuche zu teilen, dann mache ich das, wenn ich das Bedürfnis von mir aus habe, nicht, um mir damit einen Platz in einem Paradies zu erschleichen oder um irgendeinem Geist oder wem auch immer zu gefallen.“
Ich bin überzeugt davon, dass Reinhard Mey mit dieser Sicht nicht alleine ist. Die Punkband „Die Toten Hosen“ haben ein sehr erfolgreiches Liede produziert mit dem Text: „Ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dorthin so schwierig ist.“
Und wer mit einigermaßen offenen Augen und Ohren durch unser Land und unsere Medienlandschaft geht, der merkt, dass es viele Menschen gibt, die eben genau so denken.
Sind daran nicht in erheblichem Maße auch wir Christen selber Schuld? Und ich möchte hier ganz bewusst einmal der Versuchung widerstehen, mit dem Finger tadelnd auf die katholische Kirche und den Vatikan zu zeigen, denn die evangelische Kirche hat mindestens genauso ernsthafte Probleme mit ihrem Image.
Mich persönlich macht der Satz von Reinhard Mey sehr betroffen. Dieser Satz macht deutlich: Hier redet ein Mensch, der dadurch daran gehindert wird, Christ zu sein, weil ihm von den Christen selber – und zwar von der evangelischen Kirche - vermittelt wurde, dass man nur in den Himmel kommt, wenn man Gutes tut. Wie erschreckend. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass man damit genau das Gegenteil des eigentlichen christlichen Glaubenskerns ausdrückt. Johannes 3, 16 bringt den Kern des Christentums vielleicht in einem einzigen Vers sehr treffend auf einen Punkt:
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.“

Warum kommt von diesem Kern so wenig an in der Öffentlichkeit? Vielleicht liegt es daran, dass wir Christen häufig der Versuchung erliegen, unsere guten Taten in den Mittelpunkt zu stellen und nicht offen zugeben, dass wir eben auch aufgrund unserer Fehler und Schwächen dringend auf diese Liebe Jesu angewiesen sind. Denn mit guten Taten kann ich Jesus nicht beeindrucken. Jesu Liebe ist bedingungslos. Es ist für uns oft nicht nachvollziehbar, aber Jesus liebt den Schwerverbrecher genauso wie den Gemeindepfarrer oder den Kardinal.
Und Campino, dem Sänger der Toten Hosen möchte ich auf seinen Liedtext mit dem Zitat Jesu antworten:
Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.“
Jesus lädt zur Nachfolge ein, aber er zwingt niemand. „Mein Joch drückt nicht“ , keine Bibelübersetzung drückt das meiner Meinung nach so treffend aus wie die Einheitsübersetzung.
Mir fällt dazu das Gleichnis vom verborgenen Schatz und vom Perlenhändler aus Matthäus 13 ein. Vielleicht kommt von uns Christen nur rüber, was wir aufgeben. Der Perlenhändler verkauft alles was er hat. Das macht vielleicht einigen Angst. Aber man kann sich auch „wunderbar“ damit brüsten, als Christ. Schaut nur her, was ich alles aufgegeben habe, um Jesus nachzufolgen. Das ist allerdings keine biblische Haltung. Denn das Gleichnis vom Perlenhändler ist keine Opfergeschichte. Eine befreundete Familie aus meinem Hauskreis ist zur Zeit auf der Suche nach einem Haus oder einem Grundstück. Sie möchten ein Eigenheim erwerben. Und jetzt stelle ich mir vor, denen wird ein absolutes Schnäppchen angeboten. Kein billiges Angebot, es hat durchaus seinen Preis, man wird dafür in Zukunft vielleicht auf manches verzichten müssen, was man sich jetzt noch leisten kann, aber der Wert übersteigt um ein Vielfaches den Preis, der dafür verlangt wird.
Und wenn die später erzählen, was sie zu dieser Entscheidung bewogen hat, dann werden die doch in erster Linie von ihrer Freude sprechen, dass sie solch ein Angebot nutzen konnten. Die werden unterstreichen, dass das, was sie bekommen haben viel mehr wert ist als das, was sie investieren mussten.
"Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“

Dieser Vergleich hat allerdings eine Schwäche: Ein Haus bezahlt man nicht mal gerade so aus der Portokasse, meistens muss man dazu einen Kredit aufnehmen, man muss sich verschulden. Mit dem Glauben an Jesus Christus ist das anders. Nehmen wir einmal an, dieses Haus, von dem ich in dem Beispiel eben sprach, wäre unbegrenzt vorhanden, wie in einer Siedlung, in der es ganz viele baugleiche Neubauten gibt. Und die erste Familie kommt her, schaut es sich an und ist wie der Perlenhändler im Matthäusevangelium vollends begeistert. Nun fragt man den Verkäufer nach dem Preis und der sagt: Ja, was könnt ihr denn zahlen? Und die sagen: 100.000 wären ok.
So einigt man sich auf den Preis.
Dieser Händler sitzt nun im Bus und bekommt ein Gespräch eines Ehepaares mit, die von dieser neuen Siedlung gehört haben. Die Frau sagt zu ihrem Mann: „Sicher, das ist eine wunderbare Wohngegend. Vieles, was uns an unserer Umgebung jetzt stört, das gibt es dort einfach nicht. Aber ich möchte mich nicht hoffnungslos verschulden, nur um dort wohnen zu können, denn eigentlich könnten wir uns dort nicht einmal eine Mietwohnung leisten.“
Und der Händler würde zu denen sagen: „Sagen Sie mir, was Sie ehrlich zahlen können. Wissen Sie, dies soll keine hoffnungslose Siedlung sein, sondern sie wurde geschaffen, um zu wachsen und Hoffnung zu spenden. Der Kaufpreis, den Sie mir zahlen, den möchte ich einsetzen, um diese Siedlung weiter aufzubauen und anderen Menschen, vielleicht Menschen wie Ihnen, die sich hier eigentlich kein Grundstück in dieser Siedlung leisten könnten, hierher zu holen."
Warum verbauen wir Christen anderen Menschen den Weg in diese „Siedlung“, indem wir nur darüber sprechen, worauf man verzichten muss? Warum sehen viele Christen so aus, als würden sie zum Lachen in den Keller gehen?
„Man war einfach in der Kirche. Aber es spielte keine Rolle.“ Heißt es in der Biografie. Das ist so, als würde man sich ein Grundstück in dieser Siedlung kaufen aber dann doch nicht einziehen sondern weiter unter der Brücke schlafen. Sicher kann man so auch durchs Leben kommen, aber man verzichtet auf so vieles. Man ist irgendwie dabei, aber keiner merkt es. Und wenn uns andere ansehen, kämen sie im Traum nicht auf die Idee, dass wir dazu gehören würden. In einem meiner Lieblingslieder heißt es: „
Du siehst, was mich zu dir zieht und auch, was mich von dir noch trennt.“

Vielleicht sollten wir Christen auch offener mit unseren Zweifeln umgehen. Natürlich ist in dieser Siedlung nicht alles eitel Sonnenschein. Auch dort wächst Unkraut in den Blumenbeeten. Auch da entstehen bei einem Erdbeben Risse in den Hauswänden und auch dort kommt es vor, dass Mitbewohner aus unserer Sicht viel zu früh sterben.
Ich glaube, diese Siedlung könnte auf Außenstehende viel verlockender wirken und käme gleichzeitig dem biblischen Vorbild einer Gemeinde wesentlich näher, wenn es in dieser Siedlung keine Einsamkeit und keine Ausgrenzung gäbe. Niemand würde wegen eines Fehlers ausgeschlossen und umgekehrt stünde niemand besser da, nur weil er – zumindest augenscheinlich – besonders viel geleistet hat.
"Der Mensch urteilt nach dem, was er sieht, doch der Herr sieht ins Herz.“

Ich weiß nicht, ob Reinhard Mey diesen Vers aus dem Buch Samuel kennt. Vielleicht könnte dieser und andere Verse ein Schlüssel sein, um ganz neu zu entdecken, was das Christentum wirklich ausmacht. Wenn die Frau aus dem Dialog oben (meistens sind es ja doch die Frauen, die Bedenken haben, weil Männer zumindest dem Klischee zu folgen eher ihr Können überschätzen) der Meinung ist, es reicht einfach nicht, um in der Siedlung mit dabei zu sein, muss das nicht nur finanzielle Gründe haben. Mir ist vor zwei Wochen der nicht ganz ernst gemeinte Spruch begegnet: „Ich bin nicht versaut, ich bin nur moralisch flexibel.“
Wer ein Haus baut, der ist gut beraten, auf ein standhaftes Fundament zu setzen, da tut Flexibilität wirklich nicht gut. Es ist gut zu wissen, dass unser christliches Fundament solch starke Wurzeln hat. Diese Wurzeln sind so stark, dass sie nicht einmal durch Tod, nicht einmal durch schlimmste Folter zu erschüttern sind. Gleichzeitig sind sie aber auch unglaublich anpassungsfähig. Welcher König wäre schon bereit, seinen Thron gegen eine stinkende und kalte Futterkrippe einzutauschen? Sowas macht man nicht, jedenfalls nicht, wenn man als König etwas auf sich hält. Jesus ist da anders. Er möchte den Weg bahnen hin zu seinem Königreich. Und deshalb kommt er zu uns hinunter, auch zu mir. Ja, er sieht, was mich zu ihm zieht und er sieht auch, was mich (noch) von ihm trennt. Und genau dafür ist er ja gekommen. Die Wohnungen in der Siedlung sind sozusagen nicht barrierefrei, jedenfalls ursprünglich nicht.
„Niemand kommt zum Vater, denn durch mich“

– also durch eigene Leistung kann ich mir ein Wohnrecht in dieser Siedlung nicht verdienen. Auch nicht dadurch, dass ich auf Unrecht verzichte. Da ist quasi ein Graben und Jesus Christus ist die Brücke. Mich faszinieren Burgen (auch wenn ich den Aufstieg und die damit verbundenen Strapazen eher verabscheue) und wenn ich es bei einer Burg auch schaffen würde, durch den Graben zu schwimmen, würde mir das wenig bringen, denn Zugang, eine Tür in der Mauer, ist nur an der Stelle, an der auch die Zugbrücke angebracht ist. Sicher, ich kann es aus eigener Kraft schaffen, durch den Graben zu schwimmen, aber ohne, dass mir Jesus die Tür öffnet, stehe ich nach dem Schwimmen durch den Graben vor einer unüberwindbaren Mauer.
Genau diese Mauer ist es, die Reinhard Mey und Campino oben beschreiben. Wir Christen sollten eigentlich den Weg zur Zugbrücke weisen. Matthäus 7 Vers 13 weist uns den Weg dorthin:
„Geht durch das Enge Tor!“ (die Zugbrücke) „denn das weite Tor und der breite Weg (Wassergraben) führen ins Verderben und viele sind auf diesem Weg.“

Viele sind auf diesem Weg. Viele denken, Christentum bedeutet, sich sein Heil selber zu verdienen. Es ist unsere Aufgabe als Christen, mit diesem Missverständnis aufzuräumen.
Reinhard Mey hat viele wunderschöne Lieder geschrieben.
Mein absolutes Lieblingslied von ihm lautet: Ich glaube nicht“
Und es beginnt mit den Worten: „Ich glaube nicht“ und endet mit den Worten: „Ja ich glaube“.



Ich finde, das ist eine wunderbare Perspektive. Wir Christen sollten jeden Tag aufs Neue aufpassen, dass wir nicht zur Mauer der Burg werden