Montag, 1. November 2010

Reformationstag oder: Lutheraner, wo seid ihr?

Endlich mal wieder eine Gelegenheit, so richtig auf die Spaßbremse zu treten. Das können wir Christen ja besonders gut. Schluss mit lustig!
Wozu brauchen wir Halloween überhaupt? Zum Verkleiden und Fremdgehen (ach nee, das tun wir ja nicht) haben wir den Karneval, Süßigkeiten sammeln wir beim Martinssingen und überhaupt, uns Lutheranern „gehört“ dieser Tag doch irgendwie, oder?
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich in Wahrheit durch die ganzen Halloweenfeiern in Deutschland auch nicht eine einzige Person davon abhalten lässt, den Reformationstag zu feiern.
Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, erst durch diese gefühlte Konkurrenzsituation mit einem ungeliebten, heidnischen Brauch fangen wir wieder an, uns um diesen Tag wenigstens etwas zu bemühen. Wenn auch nur etwas.
Reformationstag dauert vielerorts eine Stunde – meistens von 10 bis 11 Uhr.
In der Kirche singen wir zur Feier des Tages den Lutherklassiker „Ein feste Burg ist unser Gott“ und natürlich findet sich das Thema Reformation auch in der Predigt wieder. Glückwunsch, liebe Kirche, ihr wisst, wie man etwas zu einem Megaevent macht!
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich liebe dieses Lied von Luther und finde es auch richtig, an diesem Tag über Reformation zu predigen. Aber Luther hat 95 Thesen an eine Kirchentür gehämmert. Er hat an diesem Tag etwas völlig anderes getan, etwas, was unerhört war. Er hat sich nicht in die Bank gesetzt, die Hände in den Schoß gelegt gefaltet und fromme Lieder gesungen.
Bei mir ist an diesem Sonntag eine ältere Dame in den Bus gestiegen, die von einer christlichen Veranstaltung kam. „Wegen dem schönen Garten dort sei sie nochmal hingegangen, aber wohl das letzte Mal, denn die Leute dort seien zu hochnäsig und hielten sich für etwas Besseres.“
Und genau DAS macht mich traurig. Statt selber kreative Konzepte zu entwickeln und diese menschenfreundlich und auf Augenhöhe anzubieten, spielt sich die Kirche ausgerechnet zu diesem Anlass als Moralapostel auf! Passt euch gefälligst uns an oder bleibt weg.

Wenn das auffälligste, was die Kirche an diesem Tag zu bieten hat, ein Anti – Halloween Plakat ist, wenn mehr über die Kritik an Halloween von führenden Kirchenleuten zu hören ist, als inhaltliches zum Thema Reformation, dann gute Nacht! Dann müssen wir uns wirklich um den Reformationstag Sorgen machen – mit oder ohne Halloween.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Gottesdienst - Nur zu Besuch?

Gehst du in den Gottesdienst auch immer nur zu Besuch?

Zu diesem Blogeintrag wurde ich durch einen Text von Kerstin hack inspiriert, der in voller Länge hier zu lesen ist:

http://lesbar.down-to-earth.de/glauben-spiritualitaet/kerstin-hack-mein-kleiner-frommer-schaden-ich-bin-nicht-gottesdienst-%E2%80%93-tauglich/2006-09-14/

Wir laden Sie herzlich ein! Besuchen Sie unseren Gottesdienst!
Oft habe ich das Gefühl, dass diese gutgemeinte Einladung ehrlicher ausgedrückt lauten könnte: Hören Sie aufmerksam zu aber seien Sie leise und stören Sie nicht!

Schon an dem Begriff „Gottesdienstbesucher“ stoße ich mich. Wenn ich ein Fußballspiel besuche, schaue ich zu, wie andere Fußball spielen. Wenn ich ein Kino, ein Theater oder ein Musical besuche, schaue ich mir die Vorstellung an. Wenn ich meine Eltern besuche, kann ich meistens ein Essen genießen, welches ich selber so nicht hinbekommen würde. Besuche sind also grundsätzlich nicht schlecht, lassen aber eben die Besucher als Zuschauer – in manchen Gemeinden sagt man auch Gäste – außen vor.

„ Wenn ich mit Geschwistern Jesus feiere, möchte ich gerne auch etwas von dem hören und sehen, was die anderen zu sagen und zu geben haben.“
Dieser Satz von Kerstin Hack trifft auch auf mich voll und ganz zu.

Ich sehne mich nach einer Gottesdienstform, in der jede/r Teilnehmer/in sich einbringen kann. Wo jede/r berichten, erzählen oder vielleicht auch mal fragen darf, was ihr oder ihm auf dem Herzen liegt.

Wo die Gemeinde vielleicht auch mal gefragt wird, welche Predigtthemen ihr besonders am Herzen liegen?

Wir singen wunderschöne Lieder aus der Reihe „Feiert Jesus“, dann muss doch auch Raum dafür sein, diese Freude und Begeisterung mit anderen zu teilen! Hat das auch Platz in der Gottesdienstfeier oder wird das an den Rand geschoben?

Einer meiner Lieblingsabschnitte in dem Text von Kerstin Hack ist jedoch dieser:
„Ich wünsche mir, dass Menschen es lernen, im ganz realen Leben Jesus zu folgen, so zu leben, wie er es tat. Predigten anzuhören macht jedoch keinen Christen zum Jünger, oder nur so wenig wie man durch das Ansehen der Sportschau zum Spitzensportler wird. Wachstum in der Nachfolge geschieht eher durch Gespräch, Begleitung, Auseinandersetzung etc. als durch passives Zuhören. Beim Umsetzen werden die Gottesdienstbesucher jedoch häufig allein gelassen – und das, obwohl viele Gemeinden das Ziel haben, Menschen zur Nachfolge Jesu zu befähigen. Aber sie sind an eine Form gebunden, die denkbar ungeeignet für das Einüben der Nachfolge ist.“